Musikbücher sind ja so ein Ding. Alle Kinder lieben sie, und ich einfach auch. Daher schaue ich immer wieder mal, was es so Neues gibt. Ich bin zuletzt auf die Musikbücher vom Verlag Prestel gestoßen und war allein von deren Ästhetik so angetan. Deshalb habe ich mir ihre Klassiker, alle von Jessica Courtney-Tickle, mal genauer angesehen.
1. Karneval der Tiere ** Jessica Courtney-Tickle
Mit den Buben Ben und Tom begebt ihr euch auf eine Reise durch die magische Tierwelt. Dank der Musik des „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saëns wird man gleich in diese Fantasiereise hineingezogen und würde am liebsten selbst eine Geheimtür hinter dem eigenen Bücherregal entdecken.
Etwas Magie gefällig? In diesem wunderschönen Musikbuch des Prestel Verlags taucht ihr mit Camille Saint-Saëns Meisterwerk in eine faszinierende Tierwelt ein und dürft mit den Schildkröten ins Wasser oder auch mit den Vögeln durch die Lüfte fliegen. Was sich noch alles hinter der Geheimtür befindet?
Ben und Tom sind gelangweilt. Es regnet schon den ganzen Tag und auf Zimmer aufräumen haben sie auch keine Lust. Während sie in einem Tierbuch schmökern, öffnet sich eine Geheimtür hinter dem Bücherregal. Was sie dort erwartet, ist fern von jeder Realität und ein Traum jedes Kindes – das magische Reich der Tiere.
Wie man dank eines Bücherregals die Langeweile verliert
Zur Musik von Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“ lernen die Buben die königlichen Löwen kennen, surfen auf einer 100 Jahre alten Schildkröte, reiten auf Elefanten durch den Dschungel, schwimmen mit verspielten Meerestieren im Meer und befreien bunte, zwitschernde Vögel. Doch sie treffen auch auf beängstigende Dinosaurier-Skelette – zum Glück bietet der majestätische Schwan einen guten Abschluss. All diese Begegnungen sind mit der einzigartigen Musik aus Karneval der Tiere untermalt. Plötzlich hören sie ihre Mutter rufen – nun heißt es Abschied nehmen. Ob das alles nur ein Traum war?
Mein Fazit? Einmal die Fantasiereise, bitte! Eine einfach erzählte Geschichte, die dennoch zum Träumen einlädt. Vielleicht hat sich auch bei uns eine Geheimtür hinter dem Bücherregal versteckt? Das wäre zu schön. Eine wirklich tolle Darstellung – musikalisch, inhaltlich, wie auch bildlich – des klassischen Werkes des französischen Komponisten.
2. Die Zauberflöte ** Jessica Courtney-Tickle
Leider ein Nein von meiner Seite. Wunderschöne Bilder, wie in allen Büchern dieser Reihe, aber eine nicht vorkommende “Papagena”, kein Einblick ins Abenteuer und keine Liebe. Die Zauberflöte von Mozart LEBT von den Vogelfängern, der abenteuerlichen Reise und der schönen Liebe zwischen den Protagonist*innen. Mein Klassik-Herz weint.
Der Inhalt der Zauberflöte ist den meisten von uns bekannt: Prinzessin Pamina wird entführt, Prinz Tamino soll sie vom König Sarastro befreien. Die Königin der Nacht ist stinksauer und schwört Rache, Papageno kommt Tamino zu Hilfe. Die Zauberflöte und das Glockenspiel retten alle. Papageno verliebt sich in Papagena, Tamino und Pamina verlieben sich ebenfalls ineinander, Happy End.
Let the adventure begin
In diesem Werk ist es etwas unliebsamer: Prinz Tamino wird von einem Drachen verfolgt, doch zum Glück kommen ihm drei Damen zur Hilfe. Er trifft auf den Vogelfänger Papageno. Im Gegenzug zur Rettung bitten sie den Prinz, die Prinzessin Pamina – Tochter der Königin der Nacht – aus der Gefangenschaft des Sonnenkönigs Sarastro zu befreien, um den Krieg zu beenden. Die Königin erscheint und stattet Tamino und Papageno mit einer Zauberflöte, einer Fee und einem Glockenspiel für ihre gefährliche Reise aus. Leider entdecken ihn die Palastwachen und sperren ihn in den Kerker. Papageno konnte sich verstecken und nutzt sein Glockenspiel, um die Wachen zum Tanzen zu bringen.
Dadurch kann Pamina Tamino aus der Zelle befreien und sie möchten die Flucht antreten – allerdings erscheint bereits die Königin der Nacht vor den Toren der Festung. Sie kämpfen, bis ein mächtiger Sturm beide fortträgt. Von nun an kehrt Frieden ins Land und die Sonne geht jeden neuen Tag auf, und der Mond unter.
Hä, da fehlt doch was?
Anfangs habe ich es ehrlich genossen. Ich liebe die Musik von Mozart und auch die Zauberflöte läuft bei uns (besonders auf Wunsch der Kinder) rauf und runter. Ich war total bereit für einen meiner Lieblingsklassiker. Beim Lesen hat mir aber etwas gefehlt und ich bin stutzig geworden – irgendwas ist hier unstimmig. Ich verstehe, dass die Geschichte inhaltlich gekürzt werden musste, aber: WO IST PAPAGENA?! Das wohl bekannteste Duett von Papageno und Papagena ist einfach nicht vorhanden. Papagena kommt gar nicht vor, wird nicht mal erwähnt und auch die romantische Liebe zwischen Tamino und Pamina wurde einfach weggelassen. Keine Liebe, keine Romantik. Kürzen ja, aber die Zauberflöte LEBT von den Vogelfängern, dem Abenteuer und der Liebe.
Mein Fazit? Ich liebe die Bilder, die Aufmachung und die Musik per se, aber ohne Papagena und die Liebe der Protagonist*innen ist es für mich unvollständig. Ich kann verstehen, dass die Autorin die Geschichte kürzen musste und nicht alles abbilden konnte, doch andere Musikbücher über die Zauberflöte haben es mit vergleichbarer Seitenanzahl geschafft, den bekanntesten Nummern Raum zu geben.
3. Die vier Jahreszeiten ** Jessica Courtney-Tickle
Isabella, Hund Pickle und das Apfelbäumchen im Topf durchleben die vier Jahreszeiten an nur einem Tag. Aufregend, anstrengend und bemerkenswert zugleich darf man hinsichtlich Vivaldis Meisterwerk emotional richtig mitfiebern und genießen.
Die vier Jahreszeiten von Vivaldi ist ein emotionaler Rollercoaster für Jung und Alt. Selbst mit geschlossenen Augen fühlt man die unterschiedlichen Saisonen – und kann sie mit etwas Übung sogar unterscheiden. In diesem Buch nimmt das Mädchen Isabella ihr Apfelbäumchen und uns mit, um den Winter, Frühling, Sommer und Herbst mitzuerleben.
Ein gesamtes Jahr an einem Tag
Als Isabella aufwacht, erwartet sie der wunderbare Frühling vor dem Fenster. Sie schnappt sich ihren Hund Pickle und ihren Apfelbaum im Blumentopf und beeilt sich, das Frühlingsfest noch rechtzeitig zu erreichen. Vogelgezwitscher und Gelächter füllen die Frühlingsluft und es werden Ostereier gesucht. Am Nachmittag wird es immer heißer, sodass Isabella und ihr treuer Begleiter ein Mittagsschläfchen machen. Plötzlich tauchen dunkle Gewitterwolken auf und scharfe Blitze schießen vom Himmel herunter. Zum Glück beruhigt sich die Lage bald wieder und geht in eine leichte Brise über, die den Herbst ankündigt.
Es werden Obst, Gemüse und Heu geerntet und sogar Isabellas Apfelbaum bringt bereits Früchte hervor. Durch Vivaldis Musik wird die Geschichte umso lebendiger und die Kälte des Winters spürbar. Sie bauen einen Schneemann, jedoch lädt die bittere Kälte nach drinnen ein. Leider stürzt Isabella und ihr Apfelbäumchen ist hinüber. Wie es mit dem wohl weitergehen wird?
Mein Fazit? Was soll ich euch sagen… Vivaldi bringt einfach so viel Leben! Die Geschichte ist herzig und auch das Apfelbäumchen bekommt eine emotionale Rolle zugeschrieben. Es ist das perfekte Anfängerbuch über klassische Musik, um die musikalische Neugierde rauszukitzeln und mit einer schönen Geschichte zu verknüpfen.
4. Schwanensee ** Jessica Courtney-Tickle
Ein perfekt herausgearbeitetes Märchen, das mit Tschaikowskys gefühlvoller Musik und toller Storyline begeistert. Es ist nostalgisch und bleibt einfach ein Klassiker. Ein schöner Schwan, ein Prinz, ein Bösewicht, viel Spannung und ein Happy End. Mein Favorit!
Das Ballett Schwanensee ist auch allen Laien bekannt. Vielleicht nicht die gesamte Story, aber alle kennen den guten und bösen Schwan und den Prinzen, der die große Liebe sucht. Tschaikowskys Musik berührt und bringt wunderschöne Romantik hervor. Die Geschichte startet mit dem Geburtstagskind und Prinzen Siegfried, der nach seiner Geburtstagssause von seiner Mutter eine Standpauke erhält, dass er eine Ehefrau finden muss. Als er sich nach draußen begibt, beobachtet er einen wunderschönen Schwarm Schwäne und verfolgt sie zum schimmernden Schwanensee.
Tanzende Glitzerschwäne, ein verliebter Prinz und böser Zauberer
Der schönste Schwan verwandelt sich bei Nacht zu einer Frau – Prinzessin Odette. Sie wurde durch den Zauberer Rotbart mit einem Zauber belegt, den nur die wahre Liebe beheben kann (wie in fast jedem Märchen, I know). Der Zauberer beobachtet die beiden in seiner Eulengestalt und versucht ihnen in die Quere zu kommen. Siegfried flieht und bittet Odette, zu seinem großen Ball zu kommen. Und jetzt abgekürzt: Rotbart verzaubert seine Tochter, Siegfried verwechselt sie mit Odette und macht ihr einen Antrag, Odette ist enttäuscht und läuft weg, Siegfried rennt Odette hinterher und klärt auf, sie planen einen Hinterhalt und so schaffen sie es, dass Rotbart in den Schwanensee plumpst und er und seine Tochter nun selbst verzaubert sind. Odette und Siegfried können nun für immer glücklich sein! Und all das zu der wunderschönen Musik von Tschaikowski. I like!
Mein Fazit? Ich muss gestehen, dass es von all den vorgestellten Prestel Musikbüchern mein Favorit ist! Ich finde die Geschichte wunderbar herausgearbeitet und ich konnte durch die Darstellung so schön in dieses Märchen eintauchen. Auch die Kids sind sehr davon angetan und schunkeln eifrig zur Musik. Es wurden alle essentiellen Elemente der Storyline und alle bekannten Lieder Tschaikowskys eingebaut, pure Nostalgie für mich.
Das Gesamt-Fazit?
Wunderschöne Musikbücher, die aufgrund der eindrucksvollen Illustrationen und Liebe zum Detail hervorstechen. Lediglich die Länge der Musikstücke stört mich etwas (zwischen 5 bis 10 Sekunden und ja, ich habe die Zeit gestoppt) und die Knöpfe sind für Kinderhände echt schwer bis kaum zu drücken. Aber die Tonqualität ist toll und am Ende gibt es nochmal eine Biografie, ein Glossar und Kurzbeschreibungen zu den einzelnen Stücken. Wirklich top!
Das ideale Geschenk für Kinder, um die Liebe zur Musik hervorzubringen, zu bestärken und auch, um Klassiker kennenzulernen. Außer die Zauberflöte – die könnt ihr gerne auslassen.


