Comedy zwischen Salzburg und Meidling ** Isaawaahsiin! – Marvin Tare

Blogheader Marvin Tare © Sandro Spielbüchler

Stell dir vor, du heißt Marvin Landl, kommst aus Schladming – und schaust überhaupt nicht so aus. 

Da kannst du dir eigentlich nur noch einen Künstlernamen zulegen und Comedy machen, wenn du nicht komplett am österreichischen Arbeitsmarkt verzweifeln willst. Genau das hat sich Marvin Landl gedacht, nennt sich auf der Bühne Marvin Tare und erzählt, welche Komplikationen es mit sich bringt, als Sohn einer steirischen Sozialarbeiterin und eines nigerianischen Musikers in Österreich aufzuwachsen, wo jede*r mit einem etwas dunkleren Hautton sofort auffällt.

„Ich bin nicht der Österreicher, den ihr wollt. Aber ich bin der Österreicher, den ihr verdient!“

Jung, sympathisch und oft nicht sehr jugendfrei (es geht auch um Aufrisse und was danach folgt – oder auch nicht) erzählt Marvin Tare in seinem ersten abendfüllenden Soloprogramm „Isaawaahsiin!“, was ihm so alles passiert, wenn er in seiner Heimat unterwegs ist.  

Ob beim Flyer-Verteilen am Bahnhof Meidling oder daheim in Salzburg. Wobei daheim: Stimmt ja gar nicht. Er kommt ja von ganz woanders – richtig, aus Schladming, wie schon erwähnt. Es ist eine Pointe, die man so oder ähnlich schon oft gehört hat. Weil sie einfach zu gut passt, wenn sich Comedy oder Kabarett um das Thema Migration und Herkunft dreht.

Marvin Tare © Sandro Spielbüchler
Marvin Tare (c) Sandro Spielbüchler

Alltagsrassismus, soft erzählt

Marvin Tares erstes abendfüllendes Programm scheint noch nicht an allen Stellen voll ausgereift. Manches wird er wohl noch nachschärfen in den weiteren Vorstellungen. Und manchmal ist man sich nicht ganz sicher: Muss er jetzt tatsächlich Zeit schinden, wie er behauptet? Oder ist die Langatmigkeit Teil einer Pointe, die er einfach lustig findet und deshalb so eingebaut hat?

Was er jetzt schon beherrscht, ist die Kunst der sanften Überhöhung der Realität, ohne dass es übertrieben wirkt. Und das softe Erzählen von Alltagsrassismus, der eigentlich überhaupt nicht zum Lachen ist. Ebenso die Fluchtgeschichte seines Vaters, dem dieses Solodebüt seinen Titel verdankt (weil er „Is a Wahnsinn!“ nicht so ganz korrekt ausspricht, wie der Sohn erzählt). Und das alte Lied vom „Ausländerkind“, das es einmal besser haben soll als seine migrantischen Eltern. Auch sonst haben viele seiner Gags ernste Seiten. 

Aber es gibt auch genug Momente für befreites Auflachen. Weil Marvin Tare sein Publikum zwar ein wenig in Sachen Vorurteile und Rassismus bilden, aber nicht runterziehen, sondern unterhalten will. Und er hat selbst auch Spaß dabei, wenn er zynisch, aber auch gewitzt klarstellt: „Ich bin nicht der Österreicher, den ihr wollt. Aber ich bin der Österreicher, den ihr verdient!“

Marvin Tares Comedy könnt ihr im Kabarett Niedermair in Wien am 31. März und am 11. November sehen. Weitere Infos zum Programm gibt es hier

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