Alt, modern & etwas cringe ** Maria Theresia – Ronacher Wien

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Wie viele Trends darf ein Musical einbauen, bevor es zu cringe wird?

Die Geschichte von Maria Theresia ist uns allen vermutlich noch aus dem Geschichtsunterricht bekannt. Falls nicht, hier ein kurzer Recap: Maria Theresia war Erzherzogin von Österreich, Königin von Ungarn und Böhmen sowie Herrscherin der Habsburgermonarchie. Sie regierte von 1740 bis zu ihrem Tod im Jahr 1780. Bekannt ist sie vor allem als einzige Frau, die die habsburgischen Erblande tatsächlich regierte und für zahlreiche prägende Reformen, wie z.B. die Einführung der allgemeinen Schulpflicht.

245 Jahre nach ihrem Tod wird ihr Leben nun am Wiener Ronacher in Form eines Musicals erzählt. Und das mit Erfolg: Erst vor Kurzem verkündeten die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) eine Verlängerung der Spielzeit. Eine Entscheidung und ein Hype, die ich nicht ganz nachvollziehen kann…

Maria Theresia Ensemble © VBW_Deen van Meer
Maria Theresia Ensemble © VBW Deen van Meer

Ein Stück, das den Trends nachjagt

Wer bei Maria Theresia an ein klassisches Musical à la Elisabeth denkt, wird enttäuscht. Das Stück bedient sich zahlreicher Elemente, die derzeit in der Musicalwelt angesagt sind. Und genau das wird ihm zum Verhängnis. Die Rap-Passagen erinnern stark an Hamilton, die Inszenierung an SIX. Das Grundgerüst des Bühnenbilds ist sehr steril gehalten und wird von verschiedenen Projektionen (möglicherweise KI?) unterstützt. 

Auch die Kostüme konnten mich nur teilweise überzeugen. Oft wurde Alltagskleidung verwendet, was es für mich schwer machte, mich in die Zeit der Maria Theresia hineinzuversetzen.

Knister*Wissen: Hamilton ist ein Musical von Lin-Manuel Miranda, das die Geschichte von Alexander Hamilton – einem der Gründerväter der USA – erzählt. Für viele zählt es zu den Musical-Favoriten, da es Musikelemente aus Hip-Hop, R&B und Pop verwendet. SIX erzählt die Geschichten der sechs Frauen von Heinrich VIII. Die Show dreht das Narrativ um und befreit die Frauen aus dem Schatten des brutalen Königs, indem sie ihr Leben als Pop-Konzert inszenieren.

Dinge, wie die konsequente Verwendung englischer Begriffe (Maria Theresia wird zu MT, ihre Kinder singen über ihre “Working Mum”) oder “Laxenburg Sex Raves” haben mich während des Stücks oft cringen lassen. Das Ganze fühlt sich an wie ein Elternteil, das auf Biegen und Brechen versucht, “relatable” zu sein und dabei kläglich scheitert.

Man erkennt zwar, was die VBW in der Theorie vorhatten, doch für mich ging das Konzept überhaupt nicht auf. Es wirkte, als hätte man ein riesiges Moodboard erstellt und anschließend nicht Inspiration daraus gezogen, sondern jedes einzelne Element eins zu eins übernommen.

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Maria Theresia Ensemble © VBW Deen van Meer

Ist es für alle eine Enttäuschung?

Als Gelegenheits-Musical-Besucher*in, kann einem das Stück durchaus gefallen. Die Zahlen sprechen auf jeden Fall für sich. Laut VBW haben seit der Premiere im Oktober 2025 über 100.000 Menschen Maria Theresia gesehen. 

Die Leistungen der Darsteller*innen sind definitiv sehenswert. Für meinen Geschmack fehlt dem Musical jedoch der rote Faden, und auch musikalisch bleibt kaum etwas nachhaltig im Ohr. Am Ende bleibt es für mich ein Musical, das vieles sein will, aber zu wenig Eigenständiges findet, um wirklich in Erinnerung zu bleiben.

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